1000 Jahre Stadtgeschichte

um 1000

Die „Numburg“, unweit des heutigen Naumburger Doms, wird durch Ekkehardt I., Markgraf von Meißen, gebaut. Heute befindet sich dort das Oberlandesgericht.

1028

Der Bischofssitz wird von Zeitz nach Naumburg in den Schutz der „Neuen Burg“ verlegt. Wohl im Frühjahr 1029, beginnen die Bauarbeiten an der ersten frühromanischen Naumburger Kathedrale.

12./ 13. Jh.

Eine Bürgerstadt („civitas numburgensis“, Ratsstadt) bildet sich östlich der Burganlage heraus. Diese neue Ansiedlung spaltet sich von der älteren Ansiedlung um den Dom ab (“immunitas", Domfreiheit). Naumburg ist geteilt in „Ratsstadt“ und „Domfreiheit“

ab 13. Jh.

Die Stadt entwickelt sich durch die Ansiedlung der Peter-Pauls-Messe zu einem regional bedeutsamen Handelsort. Die jährlich stattfindende Peter-Pauls-Messe bringt der Stadt jahrhundertelang Wohlstand.

1517

Ein verheerender Stadtbrand legt nahezu die gesamte Fachwerkstadt in Schutt und Asche. Die Bürgerhäuser entlang der vier Hauptstraßen werden in Steinbauweise neu errichtet. Diese Renaissancehäuser prägen bis heute das Stadtbild.

1542

Der erste evangelische Bischof Nikolaus von Amsdorf wird von Luther eingesetzt. Ihm folgt Julius von Pflug als letzter katholischer (!) Naumburger Bischof. So wird Naumburg, den Zentren der Reformation nahe, in die konfessionellen Auseinandersetzungen hineingezogen.

17./18.Jh.

Naumburg ist bis Anfang des 17. Jahrhunderts eine wohlhabende Stadt mit knapp 9.000 Einwohnern. Mit Beginn des 30-jährigen Krieges sinkt die Bevölkerungszahl allmählich auf etwa 4.500. Durch die gravierenden Verluste, die jene verheerenden Kriegsjahre und Seuchen mit sich bringen, stagniert die Stadtentwicklung das ganze 18. Jahrhundert hindurch.

1815

Die jahrhundertelange Zuordnung zu Sachsen endet. Naumburg wird nach den "Befreiungskriegen" dem Königreich Preußen zugeschlagen. Das Stift Naumburg („Domfreiheit“) wird aufgehoben und Naumburg ist erstmals eine politische Einheit.

ab 1816

Naumburg wird „Gerichtsstadt“. Die Errichtung des Oberlandesgerichts und des Stadtgerichts (beide 1816) und des Schwurgerichts (1848) sowie die Stationierung von Militär führen zunehmend zur Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Das Bildungsbürgertum hat einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Stadt, die Industrialisierung bleibt zunächst aus.

ab 1821

Naumburg befreit sich vom Korsett der mittelalterlichen Mauern. Bis zum Ende der 1830 Jahre erfolgt der systematische Abbruch der Stadtbefestigung. Mauern und Zwinger,
die bis dahin nicht zerstört werden, verschwinden bis Ende des 19. Jahrhunderts nach und nach. Nur das Marientor und Teile der östlichen und südlichen Stadtmauer
bleiben erhalten.

1846

Naumburg wird an das Thüringer Eisenbahnnetz angeschlossen, ein Bahnhof wird am nordwestlichen Stadtrand errichtet.

ab 1871

Naumburg erfährt eine verhaltende Industrialisierung. Einige wenige Manufakturbetriebe (Strumpfwaren, Spielkarten, Kämme) siedeln sich an. Naumburg wächst innerhalb weniger Jahrzehnte auf die dreifache Ausdehnung, die Bevölkerungszahl verdoppelt sich auf 29.414 (1929). Wesentlichen Anteil an der Ausdehnung hat die Stationierung von Militäreinheiten, die die Errichtung von mehreren Kasernen und einer Kadettenanstalt nach sich zieht.

ab 1889

Unter dem Schlagwort „Auf dem Weg nach Pensionopolis“ entwickelt sich Naumburg immer weiter zu einer Beamten- und Offiziersstadt. Dem Zuzug höherer Beamter und Offiziere und deren Familien folgen wohlhabende Rentner und Pensionäre. Im Süden und Westen entstehen Villenviertel (u.a. das Bürgergartenviertel).

1892

Nur wenige Jahre nach der Inbetriebnahme der Dampfstraßenbahn am 15.9.1892 wird die elektrische Straßenbahn am 2.1.1907 in Betrieb genommen. Lange Zeit fährt die unter dem Spitznamen „Wilde Zicke“ bekannte Straßenbahn sogar durch die Innenstadt. Durch die Umgestaltung der Altstadt zu einer Fußgängerzone wird der Linienverkehr über den Marktplatz am 12. April 1976 eingestellt.

ab 1917

Unter dem Stadtbaurat Friedrich Hoßfeld werden mehrere größere Bauprojekte umgesetzt: u.a. das Bürgerheim am Moritzberg, die Georgentor-Siedlung und das nordöstlich gelegene Siedungsviertel. Die Stadt wächst weiter.

1918

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der damit verbundenen Demobilisierung werden die Kasernen zunächst nicht mehr gebraucht. Naumburgs Pensionäre und Beamte verlieren mit der Währungsreform einen großen Teil ihres Vermögens. Die wirtschaftliche Lage Naumburgs verschlechtert sich. Industriebetriebe siedeln sich kaum an.

1933-1945

Die Rüstungspolitik im Nationalsozialismus bringt eine große Zahl an Soldaten mit sich, weitere drei Kasernen sowie das Heereszeugamt und das Heeresverpflegungsamt im Osten der Stadt werden errichtet. Bei Bombenangriffen am 9. und 11. April 1945 werden diese militärischen Bereiche sowie Teile der Altstadt zerstört oder schwer beschädigt. Kurzzeitig wächst die Bevölkerung durch den Zuzug von Flüchtlingen auf 60.000 Einwohner an.

ab 1945

Wie bereits nach dem ersten Weltkrieg, nun aber in noch weit erheblicherem Umfang, kommt es zu einem Austausch der Bevölkerung. Das traditionell bürgerliche Naumburg verwandelt sich in eine „Schlafstadt“ für eine Vielzahl von Arbeitern, die per Eisenbahn in das Chemierevier um Leuna pendeln.

1946

Naumburg gehört weiterhin der Provinz Sachsen an, welche zunächst in Provinz Sachsen-Anhalt, ein Jahr später in Land Sachsen-Anhalt umbenannt wird. Mit der Gebietsreform im Juli 1952 löst sich das Land Sachsen-Anhalt auf. Naumburg wird Teil des Bezirks Halle.

ab 1960

In der DDR werden eine Vielzahl von Plattenbauten errichtet. Mehrere Plattenbau-Siedlungen entstehen (Gartenstadt, Schreberstraße, Flemminger Weg). Zudem wird eine nicht unerhebliche Zahl an Einfamilienhäusern gebaut. Die Altstadt verfällt zusehends.

ab 1990

Mit der Wiedervereinigung löst sich der Bezirk Halle auf. Naumburg wird dem neu gebildeten Land Sachsen-Anhalt zugeordnet. Am Stadtrand entstehen weitere Einfamilienhaus-Siedlungen (Flemmingen, Linsenberg ) und mehrere Gewerbegebiete.

1991

Die Naumburger Kernstadt wird in das Förderprogramm "Städtebauliche Modellvorhaben" des Bundesprogrammes "Aufschwung Ost" aufgenommen. Die Altstadt kann in den Folgejahren umfassend saniert werden.

2018

Der Naumburger Dom kommt am 1. Juli 2018 auf die Liste der UNESCO-Welterbestätten und ist damit die sechste Welterbestätte im Bundesland Sachsen-Anhalt.